Priorato

Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) zählt zu den großen Meistern der Architekturdarstellung. Er war Kupferstecher, Archäologe, Architekt und Architekturtheoretiker und hat durch sein druckgrafisches Werk von über 1200 Radierungen bzw. Kupferstichen ein gewaltiges Werk hinterlassen.

Weniger bekannt ist sein einziges realisiertes architektonisches Werk - Santa Maria del Priorato auf dem Aventin in Rom, 1764-66. Es ist eine Umgestaltung einer bestehenden romanischen Kirche. Modernisiert wurde die Fassade und das kühlweise Innere mit einem plastisch gestalteten Hochaltar. Um der Front mehr Gewicht zu verleihen setzte Piranesi dem Ursprungsbau eine Attika auf.

1849 wurde die Fassade im französisch- italienischen Krieg 1849 beschädigt, wobei der obere Attikaaufsatz vollständig verloren ging.

Anhand eines Architekturmodells wurde die Fassade vollständig rekonstruiert. Als Grundlage diente eine Bleistiftzeichnung aus dem Sir John Soane Museum in London. Zugeordnet wird die Zeichnung dem schottischen Architekten Robert Adam, einem Schüler von Piranesi.

Santa Maria del Priorato, Rom 1764-66, Architekt G.B. Piranesi

Schloss zu Putbus

Anfang des 19. Jahrhunderts ließ Fürst Malte I. zu Putbus (1783-1854) auf der Insel Rügen eine Residenzstadt auf Grundlage eines Masterplans erbauen. Zu der klassizistischen Stadtanlage mit weitläufigem Park gehört auch ein luxuriöses Seebad am nahen Ostseestrand. Aufgrund der weiß gestrichenen Häuser in Putbus wird der Ort auch als „Weiße Stadt“ bezeichnet. Zu dem Gebäudeensemble von Putbus gehört unter anderem eine Kirche, ein Theater, eine Orangerie, ein Marstall, ein Mausoleum und ein Rondellplatz mit umliegenden Häusern, dem sogenannten Circus.

Von 1827-1832 wurde nach dem Entwurf des Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer (1780 bis nach 1851) das bestehende Schloss im klassizistischen Stil umgebaut. 1865 wurde das gesamte Schloss durch einen Brand zerstört. Der Wiederaufbau im neoklassizistischen Stil begann 1872 durch den Berliner Architekten Pavelt, der das Gebäude in seinen Proportionen grundlegend veränderte. Dieser Bau wurde von 1962 bis 1964 abgerissen.

Auf Grundlage von Originalplänen und Druckgrafiken wurde das Schloss nach dem Entwurf von Steinmeyer rekonstruiert und anschliessend ein Modell in Alabastergips gebaut.

Schloss zu Putbus 1772- 1865, Rügen

Der Proportionalzirkel von Balthasar Neumann

Balthasar Neumann (1687-1753) ist einer der großen deutschen Baumeister des Spätbarock. Seine baulichen Schöpfungen befinden sich überwiegend im süddeutschen Raum.

Im Jahre 1713 erdachte Neumann das „Instrumentum Architecturae“ und baute es, wie die Inschrift „Inv(enit) et Fe(cit) Bal(thasar) Neümann, 1713“ besagt. Das Instrument gehört in die Gruppe der Proportionalzirkel, mit deren Hilfe durch einfaches Ablesen unterschiedliche Rechenoperationen durchgeführt werden können. Verwendet wurde das Gerät hauptsächlich im 17. und 18. Jahrhundert. Das besondere an dem Proportionalzirkel von Neumann ist, dass man mit diesem Maße einzelner Bauteile verschiedener Säulenordnungen bestimmen kann.

Säulenordnungen bildeten in Renaissance und Barock einige der wichtigsten Elemente baukünstlerischer Gestaltung. Auf der Suche nach der Idealform einzelner Ordnungen wurden mit Säulenbüchern dem Architekten und Handwerker unterschiedliche Proportionsverfahren angeboten. Das im Jahre 1562 herausgegebene architektonische Lehrbuch „Regola delli cinque ordini d´architettura“ des italienischen Architekten Vignola wurde das meistverwendete und kopierte Werk der Zeit und bildete die Grundlage für das Meßinstrument des Balthasar Neumann.

RAMPA (SCALA) DEL BRAMANTE, VATIKAN

Die Wendelrampe des Donato Bramante (1444-1514) im Vatikan zählt zu den Meisterwerken der Hochrenaissance. Das charakteristische dieser Architektur ist, dass sich 36 Säulen von vier unterschiedlichen Ordnungen entlang einer Rampe nach oben winden und dabei kontinuierlich immer schlanker werden.

Da es keine zuverlässige Untersuchung der mathematischen und geometrischen Grundstruktur gibt, hat der Verfasser vor Ort eine Bauaufnahme durchgeführt. Mit klassischen Messinstrumenten und extra dafür angefertigten Hilfsmitteln wurde eine Vielzahl von Maßen genommen und in einem Messbuch festgehalten.

Der Schwerpunkt bei der Auswertung der Bauaufnahme liegt in der präzisen und klaren Herausarbeitung des entwurflichen Kerngedankens von Bramante, dessen Grundlage die Mathematik, Geometrie und Architekturtheorie bildet.

Erste Untersuchungen bestätigen die Annahme, dass der Ursprung der Architekturskulptur ein sich auf der Erde befindlicher, zentraler Punkt ist, auf dem eine senkrechte Achse steht, um die sich sämtliche Bestandteile des Baukörpers orientieren. Die rechtsgängige zylindrische Spirale, auf der bei einer Drehung von 360 Grad die 8 Säulenachsen gleichmäßig verteilt sind, hat einen Radius mit der antiken römischen Maßeinheit von 6 piedi und 6 digiti. Die konstante Steigung bei einer Volldrehung hat das Maß von 12 piedi und 12 digiti. Somit beträgt das Verhältnis von Radius zur Steigung 1:2. Mit diesen Erkenntnissen ist die mathematische und geometrische Grundstruktur der Wendelrampe erstmals eindeutig definiert.

Architekturtheorie

Neben seiner Tätigkeit als Designer und Modellbauer liegt ein wichtiger Teil von Bernd Grimm in seiner Beschäftigung mit der Architekturtheorie und Bauforschung. Das zeichnerische Aufnehmen von Architekturen und Produkten bildet dabei einen entscheidenden Baustein in seiner künstlerisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Baukunst.